
Zwischen "Recht Voraus" und "Querab" gibt es zwar nur sehr ungefähre Beschreibungen, aber diese reichen völlig aus, um uns zu sagen, ob und wenn ja, was wir machen sollen.
Dazu bedienen wir uns eines sehr einfachen Musters: Wir halten uns an "Querab" - das ist genau 90° seitlich vom Boot - fest. Kommt der Feind mehr von Vorne, dann kommt er "Vorlicher als Querab". Kommt der Feind eher von Achtern, also von Hinten, dann kommt er "Achterlicher als Querab".
Nun haben wir endlich unsere "ungefähre Richtung"!
Gabi kann also einfach rufen "Da kommt ein Feind vorlicher als querab!" und wir wissen sofort, dass es Zeit wird, an ein Ausweich-Manöver zu denken ... oder zumindest mal ein Auge auf den Feind zu werfen. (Vielleicht rettet er uns den Tag und hat den Motor an? Vielleicht ist's ja ein Ruderboot auf dem Weg nach Schweden?)
Wenn Gabi allerdings auch schon unsere Lernhilfe "Seerosen einmal anders" gelesen hat, dann weiß sie auch, dass sie uns noch mehr helfen kann, wenn sie genauer wird: "Da kommt ein Feind, 2 Strich Vorlicher als Querab!" erspart uns jedenfalls jedes Gesuche - vorausgesetzt, der Feind ist kein U-Boot.
Und das Beste: Es funktioniert immer und überall. Und wir brauchen kein einziges Hilfsmittel. Einfach Gabi nach Lee setzen und aufpassen lassen; dann können wir mit ein wenig Erfahrung praktisch sogar blind fliegen...
Warum? Ganz einfach!
Querab ist "am Boot festgemacht". Es dreht sich immer mit dem Boot. Deshalb muss Gabi gar nicht wissen, ob die Richtung, die sie ansagt, Norden, Nordnordwest, Nordwest oder Westnordwest ist. Aber WIR wissen sofort, wenn Gabi brüllt, aus welcher Himmelsrichtung er kommt. Ganz abgesehen davon: Himmelsrichtungen sind zum Peilen und Orten absolut notwendig; für die Vorfahrt aber unbedeutend.
Bleibt eine einzige Frage offen: Wo beginnt Querab eigentlich?
Im Grunde ist diese Frage belanglos. Bei unseren Sportbooten macht das einen Unterschied von - höchstens - 20 Metern, was einen Winkelfehler von weniger als 15° - also etwas mehr als ein Strich - bedeutet. Und das ist in der Sportschifffahrt - und insbesondere auf derart kurze Distanzen - schon ziemlich genau.
Praxistipp: Faktisch ist es zwar "Mittschiffs", also genau in der Mitte der Längsachse des Bootes. In der Praxis kannst du aber deinen Leuten bei der Einweisung sagen, dass sie sich am Mast - oder am Leewant - orientieren sollen. Da der Mast "ungefähr mittschiffs" steht, reicht das absolut aus und du musst keinen Vermessungspunkt auf deine schöne Yacht pappen...
Es hat sich auch bewährt, Querab einfach dort festzulegen, wo Gabi noch sicher sitzen kann --- also so weit vorn in der Plicht wie möglich. Damit hast du deine Crew im Blick, befolgst die Regeln seemännischer Sorgfaltspflicht und hast immer noch ausreichend Orientierung, wenn Gabi brüllt.