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Einfache Grundbegriffe

Man kann versuchen, was man will: Eines Tages wird man vor einem Boot stehen und stammeln "... Das Teil da! ... Das da hinten! ... Nein! Nicht das! ... Das neben dem anderen da vorne, meine ich! ..." Nun kannst du dich aber beruhigen: Das ging schon unseren Ahnen so. Und deshalb erfanden sie zahllose Begriffe für all die kleinen und großen Dinge, die uns auf einem Boot begegnen.

Für den Anfang reicht es, wenn du weißt, was "Bug" und Heck" sind - "Steuerbord" und "Backbord" musst du allerdings schon für die grundlegenden Prüfungen - also den SBF See oder den SBF Binnen - wissen. Und wenn du dich mit anderen Wassersportlern unterhalten willst, dann kann es nicht schaden, ein paar zusätzliche Vokabeln zu lernen.

Wenn du unsere Plattform bereits kennst, dann weißt du: Bei uns wirst du nicht ins kalte Wasser geworfen. Wir arbeiten uns Stück für Stück in die Materie ein ... und fangen, wie üblich, mit den wichtigsten Vokabeln an...

11 auf einen Streich!

Die folgende Abbildung zeigt die wichtigsten Begriffe, die wir im Wassersport kennen.
So manches davon mag einem Motorboot-Fahrer blödsinnig vorkommen (Wo soll der schon Segel haben?), aber weit gefehlt, mein Freund: Auch ein Motorboot kann einen Mast haben!

Wie dem auch sei: Wir hangeln uns nun sachte durch die Zahlen, die an der Abbildung pappen...

1 = Vorsegel (auch Fock genannt)
Vorsegel haben nicht alle Segelboote, aber wenn da vorn ein Segel ist, nennen wir es Vorsegel.

Ausnahme: Wenn es bunt und dickbauchig ist, dient es anderen Aufgaben als die Fock und hat deshalb auch einen anderen Namen --- aber dazu später mehr.

2 = Großsegel (auch Hauptsegel genannt)
Auch mit den Großsegeln ist es nicht ganz so eindeutig; für die wichtigsten Takelungsarten reicht's aber aus...

3 = Ruder
Das Ruder der V 70 Rennziege sieht etwas ungewöhnlich aus, denn die meisten "normalen" Boote haben nur eines davon. Für die V 70 ist es aber für die Steuerungsfähigkeit in Lage, also bei Neigung des Bootes, interessanter, mit dem jeweiligen Lee-Ruder steuern zu können.

Das Teil ist hinten fast 6 Meter breit; da macht es schon einen Unterschied, nicht wahr?!

4 = Kiel
Auch der Kiel dieser V 70 ist bemerkenswert: Er ist zweiteilig, denn beide ockerfarbenen Dinger da unten sind Kiele, die wegen der besseren Anströmung geteilt wurden.

Die aktuelle Bauform ist noch verrückter: Jetzt sind's zwei "Klappkiele", die sich - ähnlich wie die Ruder - der jeweiligen Lage (Neigung des Schiffes um die Längsachse) anpassen können.

5 = Kielbombe
Du weißt sicherlich schon, dass der Kiel einen Gewichtsausgleich für das Boot herstellen soll. Dann weißt du zweifellos auch, dass der Kiel mörder-hammer-schwer ist und leicht mehrere Tonnen wiegen kann. (Der Kiel dieser V 70 wiegt fast 8 Tonnen, also knapp 8.000 kg.)
Sein Hauptgewicht liegt aber in der sogenannten Kielbombe. Der Rest ist nur Hebel, um das Gegengewicht möglichst weit vom Boot wegzubringen. --- Du erinnerst dich noch an die Hebelgesetze?

6 = Vorstag
Das Vorstag ist meistens ein Stahlseil, das den Mast hindert, nach hinten umzufallen.

7 = Achterstag
Das Achterstag ist - Wer hätte das gedacht? - der Bruder des Vorstags. Seine Aufgabe ist es, den Mast am Umfallen nach vorne zu hindern.

8 = Mast
Und damit wären wir bei dem Stock, der da in der Mitte steht. Am Mast findet fast das gesamte "Segelleben" statt. Bricht das Ding durch, ist JEDER Segler in ziemlich großer Verlegenheit...

9 = Großbaum (oder kurz: Baum)
Die Hauptaufgabe des Großbaums ist es, ständig im Weg rumzuhängen und bei Wenden oder anderen Manövern die unvorsichtigen Crew-Mitglieder vom Boot zu fegen. Das nennt man "maritime Evolution", denn nur die Stärksten werden überleben ... oder so.

Wenn der Großbaum gerade nicht irgendwelche Crew-Mitglieder vom Boot fegt, beschäftigt er sich damit, das Großsegel in Form zu halten. Gäbe es den Baum nicht, würde sich das Großsegel wie eine Tüte formen und man könnte nicht mehr "gegen den Wind" fahren.
Jahrtausende lang wussten das unsere Vorfahren nicht und waren deshalb darauf angewiesen, dass der Wind immer schön in Richtung Ziel pustete. Heute ist es für Segler zwar immer noch nervig, wenn der Wind genau aus der Zielrichtung bläst, aber das macht das Ziel nicht mehr unerreichbar ... dem Erfinder des Großbaums sei Dank!

10 = Fockfall
Das Fockfall ist eines der vielen - Achtung! - Fallen (so lautet die Mehrzahl wirklich!), die wir auf dem Boot haben. Dabei ist der Begriff "Fallen" durchaus im doppelten Wortsinn zu verstehen, denn sie sind beliebte Tretfallen, in denen man hervorragend stolpern kann, wenn man nicht artig aufklart (= aufräumt) und die Fallen aufschießt (= zusammenwickeln bzw. zusammenrollen).

Neben dem Fallen-Stellen ist die Aufgabe des Fockfalls, die Fock nach oben ziehen zu können. Selbst auf kleineren Booten ist die Fock wesentlich größer, als ein Mensch mit ausgestreckten Armen erreichen kann. Deshalb gibt's das Fockfall, dank dem wir nicht in den Mast klettern müssen, um die Fock setzen zu können.

Es versteht sich von selbst, dass die anderen Fallen ähnlich funktionieren. Folglich ist also das Großfall - das hier nur schlecht zu sehen ist - jenes, das die gleiche Funktion für das Großsegel erfüllt. Und das Spinackerfall ist das Fall, das den Spinacker nach oben zerrt ... Wir können zusammen noch ein Beispiel machen... Das Genackerfall ist das Fall, das den ... Nun? ... Begriffen?

11 = Dirk
Klaus, Peter und Joseph hatten Pech: Ihre Namen wurden nicht an Bord verewigt. Aber Dirk hat was wirklich praktisches gemacht: Er hat ein Fall erfunden, das kein Fall ist, aber wie ein Fall funktioniert.

Stell dir mal vor, was mit dem Großbaum passieren würde, wenn man das Großsegel wegnehmen würde. ... Na? ... Yep, der Großbaum, der sonst in Kopfhöhe die Leute von Bord schubst, würde nun diagonal auf dem Deck liegen und noch mehr stören.

Da dachte sich Dirk "Mensch ...?! Da muss es doch eine Lösung geben!" ... Und tatsächlich: Es gab eine. Seitdem können wir mit der - nicht "dem"  - Dirk den Großbaum in Kopfhöhe halten und weiterhin unvorsichtige Crew-Mitglieder aussortieren...

Mit diesen 11 Grundbegriffen können wir schon eine ganze Menge Dinge auf dem Boot beschreiben - und verstehen. Das war doch nun wirklich nicht schwer, oder?!

Ecken und Kanten

Nachdem wir nun festgestellt haben, dass wirklich jeder Fussel einen eigenen Namen zu bekommen scheint, erstaunt es uns auch nicht mehr, dass auch das Segel nicht einfach nur "Segel, und fertig!" ist, sondern auch hier noch ein paar Begriffe stecken.

Und weil diese Begriffe Gegenstand der SBF Binnen-Prüfung sind, klauben wir sie hier auseinander:

Von dem kleinen Boot in der linken Abbildung ist nur noch das Vorsegel - also die Fock - sichtbar. Und all die Ecken und Kanten sind auch schon passend beschriftet.

Alle 6 Begriffe tauchen in der SBF Binnen-Prüfung auf. Wenn du also den Segel-Schein machen willst, wirst du diese Namen lernen müssen...

Die Kanten eines Segels heißen - zumindest für unseren Hausgebrauch - IMMER "Liek". Auch die Kanten des Großsegels heißen demzufolge Vorliek, Achterliek und Unterliek --- wobei "Vor" für "Vorne" steht, "Achter" natürlich "Hinten" bedeutet und "Unter" ... nun, das habe ich vergessen ... Weißt du's vielleicht?

Und auch die Ecken heißen bei all unseren Segeln ähnlich, solange sie ähnliche Aufgaben haben. Wenn sich die Aufgabe unterscheidet, dann haben sie auch andere Namen. Logisch, oder?!

Da wäre also der Kopf, der - wie beim Menschen - stets oben ist. Unten ist - anders als beim Menschen - der Hals. An Kopf und Hals wird die Fock befestigt, damit sie mit dem Fockfall hochgezogen werden kann. Bleibt das Schothorn ...

Na? Hast du schon einen Plan, warum ein SCHOThorn wohl SCHOThorn heißen könnte? ... Yep! ... Du hast Recht: Es heißt so, weil da die Schot - in diesem Fall die Fockschot - festgemacht wird.

 

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