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Praktisches Manöver: Anlegen am Steg
"Klar zum Anlegen an Backbord!"

Das Anlegen am Steg - und natürlich auch das Ablegen vom Steg - sind elementare Manöver, die du später zweifellos brauchen wirst, wenn du nicht den ganzen Tag am Steg liegen bleiben möchtest.

Unter anderem deshalb ist es auch Prüfungsmanöver. ... Aber keine Angst, das klingt noch schwieriger, als es ist. Immerhin haben 100% aller Sportbootfahrer zumindest das Ablegen gemeistert; und fast 75% schaffen auch das Anlegen relativ problemlos.

In diesem Exkurs widmen wir uns deshalb der einfachen - theoretischen - Betrachtung dieses Manövers.

Vorüberlegungen

Das lässt sich ganz leicht zusammenfassen: Gegen den Wind!

Warum? - Ganz einfach: Sollte beim Manöver irgendwas schief gehen, dann treibt der Wind uns wieder weg vom Steg.

Und wie wäre es anders herum?
Nehmen wir mal an, du hast keine Idealbedingungen von 0 Windstärken, sondern es kachelt, dass einem die Ohren dröhnen. Was würde wohl passieren, wenn du nicht sauber an den Steg kommst?

Genau! - Du dockst "unsauber" am Steg an. ... Und im schlimmsten Fall machst du Boot und Steg kaputt.

Wie läuft's in der Prüfung?

In der Prüfung gibt's meistens Gedränge. Viele Boote wollen an- und ablegen, jede Menge Leute stehen herum und wollen ihre Prüfung hinter sich bringen. Etliche Bootsfahrschulen suchen ihren Platz am Steg.

Deshalb wird man dir sagen, wo du ab- und wieder anlegen sollst. ... Das spart schon mal die Überlegung, wo der Wind eigentlich herkommt und wo "gegen den Wind" gerade ist.

Kommandos geben! - Antworten abwarten!
Es gibt wichtige Dinge, auf die du dich jetzt konzentrieren musst. Und das sind die Kommandos - und natürlich die Antworten darauf.

... und wie jeder normale Mensch, fragst du dich jetzt, was das soll. Das Boot ist mit seinen 3 Metern mehr als überschaubar, du kommst praktisch sogar selbst überall an - vermutlich wirst du es sowieso meistens ganz allein fahren. Wozu also die absurden Kommandos?!

Nun, ganz einfach: Mit dem Schein darfst du auch Boote fahren, die 15 Meter lang und drei oder vier Decks hoch sind. Da siehst du gar nichts mehr! Und weil es keinen "Schein für kleine Angelboote" gibt, könntest du auch ein größeres Boot fahren. Vielleicht nicht gleich nächste Woche mit der Millionen-teuren Yacht, aber schon allein ein Hausboot im Urlaub? ... Wer weiß das schon so genau? 

Also ist es das Beste, wenn du gleich von Anfang an Kommandos gibst und deine Crew herumscheuchst. Erstens macht es Spaß und zweitens ist es lustig!

"Klar zum Anlegen an Backbord!"

Genug der Vorrede! Auf ins Gefecht! Wie läuft so ein Manöver eigentlich ab?

Handelnde Personen:
- Der hinten links im Bild am Ruder sitzt, ... das bist du!
- Der Typ neben dir ist ... ja, genau! ... der Prüfer!
- Der in der dunklen Jacke auf dem Steg ist ein Helfer, wie du sie oft auf Stegen findest.
Wir helfen uns eben gegenseitig!
- Der Typ ganz vorn im Bild - am Bug deines Bootes - ist dein Ausbilder Dietmar Musall.
- ... alle anderen spielen nur Zuschauerrollen...

Die Kommandos im Überblick

Du: "Klar zum Anlegen an Backbord!"
Antwort: "Ist klar!"

Du: "Vorleine über und fest!"
Antwort: "Vorleine ist fest!"

Du: "Achterleine über und fest!"
Antwort: "Achterleine ist fest!"

Vorbereitung: Erst denken, dann lenken!

Erst denken - dann lenken!

Bevor du anlegst, gehst du jeden einzelnen Schritt noch einmal in Ruhe durch: Was muss ich wann sagen? Was muss passieren, damit ich in Ruhe anlegen kann?

Das ist nicht sooo viel, aber wenn du es nicht machst, wärst du nicht die/der Erste, die/der den Steg gleich mal mitnehmen will...

Also: Ruhe bewahren! Nachdenken!

Tipp: Du kannst es dir schwer oder leicht machen. Unser Vorschlag: Mach's dir leicht! - Erst recht, wenn "leicht machen" ganz einfach geht!

Je spitzer der Winkel zwischen deinem Boot und dem Steg ist, desto weniger musst du arbeiten. Wenn du nicht ganz parallel an den Steg fahren kannst, dann versuche "so parallel wie möglich" ranzukommen! Und wenn du das auch noch laaaaaaaaangsaaaaaaam machst, KANN GAR NICHTS MEHR SCHIEF GEHEN!

"Klar zum Anlegen an Backbord!"

Klar zum Anlegen an Backbord!

Du hast dich für einen möglichst spitzen Anlegewinkel und langsame Fahrt voraus entschieden? - Sehr guter Gedanke! Das zeugt von Überlegung. :)

Jetzt brüllst du deine Crew an: "Klar zum Anlegen an Backbord!"
Auf größeren Booten - oder nach einer echten Ausfahrt - würden sie jetzt ein paar Arbeiten erledigen. Sie würden die Leinen (Vorleine & Achterleine) am Boot festtüddern und die Fender (die orangen und blauen Dinger am Boot) an Backbord befestigen und dann melden:

Antwort der Crew: "Ist klar!"
Wie immer gilt: Antwort abwarten! Es kann durchaus ein paar Sekunden dauern!

Warum muss man die Seite ansagen? 
Nun, wenn du genug Leinen und Fender hast, kannst du sie ja rund um das Boot befestigen. Meistens reicht es aber, wenn man die Seite, mit der man am Steg anlegen will, vorbereitet. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Platz an Bord...

"-"

Kein Kommando, aber kurz arbeiten ("Aufstopper")

Kurz bevor du am Steg liegst - und hier hast du nur noch SCHLEICHFAHRT drauf! - schlägst du das Lenkrad ein und gibst für eine Sekunde im Rückwärtsgang ordentlich Gas. Das Lenkrad musst du bei verschiedenen Motoren verschieden einschlagen:

  • Bei einem Innenborder brauchst du nur geradeaus lenken - den Rest erledigt der "Schraubeneffekt"
  • Bei einem Außenborder lenkst du voll HIN ZUM STEG

Und wirklich nur ein sehr kurzer Gas-Schub! - Das Boot wird darauf reagieren und den Hintern des Bootes sachte gegen den Steg drücken. Wenn du zu lange Gas gibst, beginnt das Boot rückwärts zu fahren --- das wollen wir aber nicht! Wenn du falsch rum lenkst, wird das Boot den Hintern nicht gegen den Steg drücken, sondern weg davon - und das wollen wir auch nicht!

"Vorleine über und fest!"

Vorleine über und fest!

Jetzt muss der Typ ganz vorn im Boot arbeiten...

Mit dem "Vorleine über!" sagst du ihm, dass die Vorleine auf den Steg soll.

Mit dem "Vorleine fest!" weist du ihn an, dass du genau hier festmachen willst.

Für unser Prüfungsmanöver ist das also genau das richtige Kommando, nicht wahr?!

Antwort der Crew: "Vorleine ist fest!"
Hier musst du ausnahmsweise nicht auf die Antwort warten, sondern du kannst gleich das nächste Kommando geben:

"Achterleine über und fest!"

Achterleine über und fest!

Da du ja genau hier anlegen willst, kannst du das Kommando direkt nach dem Kommando "Vorleine über und fest!" geben.

Deine Crew wird nun die Achterleine auf den Steg geben, wo - in diesem Fall - bereits ein Helfer wartet. Sollte kein Helfer da sein, wird ein Crew-Mitglied auf den Steg springen und die Leine festmachen.

... Aber das kann dir jetzt erst mal egal sein, denn dein Manöver ist mit diesem Kommando abgeschlossen. Du wartest noch höflich auf die

Antwort der Crew: "Achterleine ist fest!"
... und dann wartest du auf das "Sie haben bestanden!" des Prüfers neben dir.

Das Ende vom Lied...

War das jetzt etwa schwer?! - Wohl kaum, oder?!

Unser Dank geht an die Bootsfahrschule Musall, die uns diese und zahllose weitere Materialien - und Gelegenheiten (Danke, Dietmar!) - zur Verfügung stellt...

Tücken des Manövers

Eigentlich ist es ein einfaches Manöver. Aber wie überall, so kann es auch hier passieren, dass etwas nicht ganz optimal klappt. Und das hat gute Gründe. Die wichtigsten wollen wir hier nennen:

Zu schnell
Das größte Problem beim Anlegen ist die Geschwindigkeit. Sehr viele Leute glauben offenbar, dass schnell ranfahren eben schnell anlegen bedeutet. Das ist aber ein Trugschluss! Schnell ranfahren bedeutet meistens: Klappt nicht!

Zu steil ranfahren
Am Steg muss das Boot parallel liegen. Das bedeutet viel Arbeit, wenn du zu steil ranfährst. Also mache es dir einfach und fahre so parallel, wie irgend möglich an den Steg!

Der Aufstopper schlägt fehl
Kurz bevor du am Steg ankommst, gibst du noch einmal einen kurzen Gasschub im Rückwärtsgang. Das ist der kritischste Moment!

Gibst du zu lange Gas, fährt das Boot rückwärts. Das ist nicht gut - und das wollen wir nicht! Es soll nur stoppen und den Hintern gegen den Steg legen. --- Für eine Sekunde ordentlich rückwärts Gas geben. Danach sofort auf Standgas stellen und Auskuppeln!

Lenker falsch eingeschlagen
Lenkst du hier falsch, legt das Boot wieder vom Steg ab - und das wollen wir nicht! 

Solltest du zu steil an den Steg fahren, kannst du aber mit dem Lenken noch vieles wieder rausreißen, wenn du ein bisschen Erfahrung hast. In jedem anderen Fall brauchen wir das aber nicht: Einfach richtig lenken, dann klappt's auch mit dem Anlegen!

  • Innenborder: Gar nicht lenken!
  • Außenborder: Lenker voll in Richtung Steg einschlagen!

Danach kurzer Schub rückwärts - den Rest macht das Boot von ganz allein! - Also Ruhe bewahren!

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