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 09.10.2010 13:25
 

Ja, ja, ich bin mir schon bewusst dass ich noch meinen Bericht zur bestandenen SBF-See Prüfung liefern darf. Immerhin ist das schon einige Wochen her, aber ich wollte nur noch die Segelsaison genießen. Die war ohnehin viel kurz genug. Es ist also nicht mit Undank oder faule Socke!!

Also, was ist von meiner Seite zu sagen und was ist von Interesse für die am Forum teilnehmenden Leser?
Nach intensivem Lernen, insbesondere mit der neuen Version des Online Trainers konnte ja nichts mehr schief gehen. Dann mal los und in Hamburg einige Segelschulen angerufen da ich praktische Übungsstunden, möglichst auf dem Prüfungsboot brauchte.. Überraschung!! Die waren sich alle ziemlich einig und wollten einen "Selbstlerner“ wie mich nur sehr ungern aufnehmen.
Es kamen da so nette Aussagen wie: "unsere Teilnehmeranzahl ist voll und nur einen Termin für das Übungsboot ist nicht zu bekommen" oder " lassen Sie mal Ihre Telefonnummer da, wir rufen Sie an falls doch noch mal etwas frei ist", "Vorrang haben natürlich unsere Kursus Teilnehmer!". Toll war auch die Aussage: Also wir sagen natürlich den Prüfern dass Sie so ein Selbstlerner sind, das mögen die nicht so gern weil von denen sehr viele durchfallen. Bei uns gibt es eine Garantie!"
Hanseatische Einigkeit! Also habe ich einen SKS Navigationskurs für ein Wochenende gebucht (schon für den Winter..) war nun offizieller Schüler und bekam natürlich sofort meine Bootsstunden. vier an der Zahl. Ich denke die habe ich auch gebraucht da der sichere Umgang mit dem Schiff Prüfungsrelevant ist.
Dann kam der Prüfungstag!
Die Teilnehmeranzahl war sehr groß und so konnte ich mir aussuchen zuerst den praktischen Teil zu machen. War mir sehr recht um meinen Puls herunterzubringen. Ist aber sicherlich individuell anders, bin mehr der Praktiker, außerdem schien die Sonne.
Also rauf auf das Boot, vier Prüflinge, ein Prüfer und jemand von der Segelschule.
Das Schiff war richtig voll und ich sollte gleich mit dem Ablegemannöver (Eindampfen rückwärts) beginnen. Da das Achterdeck ziemlich voll war und ich nichts sehen konnte sagte ich dem Prüfer ob er mal „achteraus“ schauen könnte ob alles klar ist. Das hat ihm wohl gut gefallen. (Herbert du Schleimer..). Ich denke es ist für Euch wichtig zu wissen dass ihr hier keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen müsst. Das MOB Manöver muss nicht in 1:25 Min. erledigt sein. RUHE bewahren und langsam fahren.
Als nächstes sollte ich nach Kompass Kurs 270 fahren, als der Kurs am Kompass anlag, habe ich das mit „Kurs 270 liegt an“ laut bestätigt. So wollte er es hören... Als nächstes das MOB Manöver, auch hier langsam an die Boje heranfahren und stoppen. Es soll auch der Umgang mit dem Gashebel und dem leidgeprüften Getriebe gezeigt werden. Laut alle Kommandos rufen, keine Bange es klingt irgendwie blöd, will aber so gehört werden. Das Schiff anlegen und dann kam der schon nächste dran und wir konnten verschiedene Knoten zeigen. Denkt nicht man braucht die nicht zu üben!!
Also die erste Hürde war geschafft und nun hatte ich erst mal Zeit mein Frühstück einzunehmen, Danke für den Tipp Andre, ist wirklich wichtig und stärkt die Nerven.
Vor der Theorie wird ausdrücklich darauf hingewiesen dass keinerlei Unterlagen, Zettel, Taschenrechner etc. auf dem Tisch liegen dürfen. Nur das Navigationsbesteck und Bleistift, Kugelschreiber. Auch die Frage ob ich einen Blanko Zettel vorzeigen und dann benutzen dürfte wurde negativ beschieden. Es sollten alle Nebenrechnungen etc. auf dem Prüfungsbogen gemacht werden.
Wer schummelt fliegt raus und muss alles von vorn machen. Lohnt doch nicht, oder?
Fangt gleich mit dem Fragebogen an, die Zeit ist wirklich nicht sehr generös ausgelegt. Leichte Fragen zuerst, ist doch klar oder?
Noch ein Tipp für nach der Prüfung: merkt euch die Nummer Eures Prüfungsbogen, dann könnt ihr zwischenzeitlich nochmal auf den jeweiligen Fragebogen schauen und sehen ob ihr aus der Erinnerung alles richtig gemacht habt. Das gibt Sicherheit und für den Fall einer mündlichen Nachprüfung sieht man eventuell vorab was nicht so gut gelaufen ist und kann sich vorbereiten.
Also, es war nicht schlimm aber ohne Übung wird das nichts. Und tut euch nicht an noch vor dem Prüfungsraum zu sitzen und zu Lernen; ihr macht euch nur nervös. Schon gar nicht den "Binnen" gleich am selben Tag zu machen.
Ich bin sehr gern bereit Euch für Rückfragen hilfreich zur Seite zu stehen! lasst es mich wissen; ich beiße nicht!
Andre und Team: DANKE!!!

Herbert

 
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 09.10.2010 20:14
 

Wow, danke Herbert! Ich habe deinen Beitrag gleich mal auf der Prüfungs-Seite verlinkt.

Da dein Boot nun auf dem Trockenen liegt, du sowieso vor Langeweile stirbst und überhaupt, weil du gerade so schön im Fluss bist:

Bekommen wir auch ein paar Tipps und Erfahrungsberichte vom Wasser für Jung-Seebären? Vielleicht sogar nachgereichte Törnberichte deiner letzten Törns? Gern auch mit Bildern. (Das Forum unterstützt derzeit noch keine eigenen Bilder. Wenn du welche zur Verfügung stellen kannst/willst, schicke sie einfach per Email an uns. Wir fügen's dann hier zusammen.)

 
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 10.10.2010 15:34
 

Hallo Andre, mache ich gern! Die Idee einen Törnbericht zu schreiben hatte ich auch schon, hatte mich aber nicht getraut.

Ich weiß da lauern eine Menge Gefahren in der Seefahrt die teilweise aus Leichtsinn oder Unkenntnis bzw. nicht erkennen von Gefahrenquellen resultieren. Insbesondere die Selbstüberschätzung des eigenen Können ist ein wesentlicher Faktor. So hat die Natur hat ihre eigenen Gesetzte und wir sind gut beraten denen zu folgen. Gerade ist wieder ein 420er Jollensegler vermisst der als Einhandsegler unterwegs war. Wir hatten die Suchaktion per Funk verfolgt da wir auch auf dem Wasser waren und sind sehr betroffen! Die Professionalität der Rettungsstaffeln einschließlich der Marine Hubschrauber Besatzung hat uns stark beeindruckt. Das Boot wurde gefunden; der Segler leider noch nicht.

So bin ich -und bleibe- noch lange Lehrling mit Respekt vor der See; der SBF-See ist wirklich nur der Einstiegsschein in den Wassersport und wir sind gut beraten uns weiterzubilden. Es kann auch nicht schaden das MOB Mannöver etc. auch mal zwischendurch zu praktisch zu üben; es ist nicht nur Prüfungsrelevant!

Also ich schreib dann mal..

Herbert

 
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 24.01.2011 17:42
 
 Geändert von ventinha  am 26.01.2011 16:48:43

Dass die Prüfung auch anders ablaufen kann, zeigt mein Erfahrungsbericht zur Prüfung am 11. Dezember 2010 in Rostock.

Ich war mir mit Dietmar Musall einig, dass wir an diesem Tag keine Praktische Prüfung durchführen werden. Die Warnow war bereits halb zugefroren, der Prüfungs-Steg war stark vereist + spiegelglatt und es war eine Unwetterwarnung vom Deutschen Wetterdienst herausgegeben- mit Böen bi 40 Knoten!

Das an diesem Tag andere Bootsfahrschulen (Aus Datenschutzgründen wurden die hier namentlich aufgeführten Bootsfahrschulen entfernt. Wir bitten um Verständnis.*) ihre Schüler zur praktischen Prüfung hinausjagte ist nicht nur unverantwortlich, sonder wirft auch ein schlechtes Bild auf alle Bootsschulen. Wir predigen in den Kursen von Sicherheit, Seemannsbrauch und Wettervorhersagen - nicht einmal die Prüfer, bzw. die Ausbilder halten sich daran! Denn:

- keiner der Schüler hat eine Rettungsweste getragen- weder an Bord noch auf dem spiegelglatten Steg!

- Trotz Unwetterwarnung sind die Boote mit einem Freibord von 50 cm rausgefahren und hatten nichteinmal die nötigste Sicherheitsausrüstung an Bord!

Ich habe mir das Spektakel mit 50 cm hohen Wellen bei -5 °C im Stadthafen angeschaut und gebetet, dass nichts passiert. Wie hoch sind wohl die Überlebenschancen, wenn bei einer solchen Prüfung nur jemand vom Steg abrutscht? Leider können auch wir als Ausbildungsstätten nur darauf hinweisen, so etwas nicht als Vorbild zu nehmen!

In diesem Sinne- safety first...

Euer Dirk Jahnke.

* Moderation

 
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